Katharina Thalbach (71) und Pierre Besson (58) stehen wieder gemeinsam auf der Bühne – und man spürt sofort, dass hier mehr passiert als ein gewöhnlicher Theaterabend. Mit ihrem Programm „Sauerkohl und Missetaten“ bringen die Geschwister Wilhelm Busch zurück ins Rampenlicht und feiern zugleich ihre ganz eigene Verbindung. Aktuell treten sie in der Komödie am Berliner Kurfürstendamm im Ernst-Reuter-Saal auf, musikalisch begleitet von Pianist Torsten Rasch. Umgesetzt wird das Projekt von Intendant Martin Woelffer.
Was das Duo verbindet, ist eine besondere Leichtigkeit. Beide sprechen von einer kindlichen Freude am gemeinsamen Tun, die sie sofort wieder miteinander verbindet. Für Katharina Thalbach ist die Zusammenarbeit ein Geschenk. Sie schwärmt von der Stimme ihres Bruders und davon, wie sehr sie es liebt, mit ihm zu spielen. Dass das Theater ihnen diesen Raum gibt, empfindet sie als Glücksfall.


Auch für Pierre Besson hat das gemeinsame Arbeiten eine tiefere Bedeutung. Wenn er mit seiner Schwester auf der Bühne steht, fühlt es sich für ihn an wie ein Nach-Hause-Kommen. Die Nähe, die dabei entsteht, ist nicht gespielt – sie ist gewachsen.
Kein Zufall ist die Wahl von Wilhelm Busch. Die Texte sind für beide eng mit ihrer Kindheit verknüpft. Pierre erinnert sich an Abende, an denen ihr Vater die Streiche von „Max und Moritz“ als Dia-Show vorführte und die Texte dazu vorlas. Diese Bilder hätten sich ihm unauslöschlich eingeprägt. Katharina bewahrt bis heute einen alten Wilhelm-Busch-Band ihrer Großmutter auf, noch in Sütterlinschrift. Schon als Kind habe sie über die Geschichten herzlich gelacht.
Für sie steckt in Buschs Werk mehr als bloßer Humor. Sie erkannte früh, wie sehr Kinder ihre Eltern an Grenzen bringen können – und welche Macht darin liegt. Dieses Verständnis habe ihr als Kind sogar Stärke gegeben. Genau diese Mischung aus Witz, Abgründigkeit und Lebensklugheit wollen die Geschwister nun wieder auf die Bühne bringen.

Dass sie nicht früher häufiger zusammengearbeitet haben, lag an äußeren Umständen. Die Pandemie und volle Terminkalender bremsten ihre Pläne aus. Pierre Besson ist seit Jahren durch Serien und Kinoprojekte gebunden, Katharina Thalbach arbeitet als Schauspielerin und Regisseurin nahezu pausenlos. Dennoch blieb der Wunsch, wieder gemeinsam etwas zu schaffen.
Die Bühne ist für beide ein besonderer Ort. Pierre beschreibt das Theater als ihr gemeinsames Zuhause, fast wie eine Familie. Ihre intensive Zusammenarbeit begann ohnehin erst später, denn richtig kennengelernt haben sie sich erst, als er 16 war.
Ein prägender Einfluss bleibt ihr Vater Benno Besson. Das erste gemeinsame Projekt der Geschwister entstand 1998 unter seiner Regie. Pierre erinnert sich an seine Nervosität, als er erstmals mit Mutter und Schwester auf der Bühne stand. Katharina beschreibt ihren Vater als eine Art Zirkusdirektor, der die Familie zusammenhielt. Nach seinem Tod fühlte sie sich verantwortlich, diese Rolle weiterzuführen.
Trotz aller Nähe betonen beide, dass ihre Zusammenarbeit vor allem von Qualität lebt. Talent, Disziplin und gegenseitiger Respekt stehen im Vordergrund, nicht das Verwandtschaftsverhältnis. Sie arbeiten gern zusammen – können aber genauso gut getrennte Wege gehen.
Für Katharina Thalbach ist klar: Wilhelm Busch ist aktueller denn je. Auch wenn viele Eltern seine Geschichten heute für zu hart halten, ist sie überzeugt, dass Humor, Reibung und Überzeichnung Kindern nicht schaden. Im Gegenteil. Sie sieht darin eine Schule fürs Leben – mit Herz, Witz und einer ordentlichen Portion Wahrheit.