„Ich war komplett ausgelaugt“: Britta Steffen spricht offen über die Zeit nach Olympia

Gold gewonnen – und trotzdem am Limit. Britta Steffen hat jetzt ehrlich erzählt, wie schwierig die Monate nach ihrem größten Triumph wirklich waren. Die Schwimmerin wurde 2008 in Peking Doppel-Olympiasiegerin. Doch auf das Hochgefühl folgte eine Phase, die sie an ihre Grenzen brachte.

Unmittelbar nach ihren Siegen war sie voller Stolz und Freude. Kaum hatte sie ihr erstes Gold geholt, musste sie sich direkt wieder fokussieren – und gewann auch das zweite Rennen. Doch als der ganze Druck plötzlich abfiel, kam die Erschöpfung. „Danach war ich unfassbar müde und ausgelaugt“, sagte sie im Gespräch mit RTL. Die Medienanfragen seien kaum zu bewältigen gewesen. Sie habe alles abgesagt, weil sie spürte, dass sie sonst zusammenbrechen würde.

Dass viele Athleten nach den Olympischen Spielen in ein Loch fallen, ist inzwischen gut dokumentiert. Eine Studie der Universität Süddänemark aus dem Jahr 2023 zeigte, dass fast 30 Prozent der Befragten nach den Spielen in Tokio unter depressiven Verstimmungen litten. Auch in einer ARD-Dokumentation mit Moderatorin Esther Sedlaczek berichten mehrere Olympioniken von emotionaler Leere nach dem Karrierehöhepunkt. Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl schildert dort das Gefühl, nach dem Erreichen des Ziels plötzlich innerlich leer zu sein.

Britta Steffen blieb ein tiefer Absturz erspart – aber nur, weil sie bewusst gegensteuerte. Sie setzte sich neue Ziele, konzentrierte sich auf ihr Studium und holte sich professionelle Unterstützung. Besonders dankbar sei sie ihrer Psychologin Dr. Janofske, die sie begleitete. Die Zusammenarbeit habe ihr vermutlich geholfen, nicht in ein tiefes Loch zu fallen.

Nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn schlug sie einen neuen Weg ein. Sie absolvierte einen Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen und einen Master im Bereich Personalmanagement. Heute arbeitet sie am Olympiastützpunkt in Berlin in der Laufbahnberatung und setzt sich gezielt für mentale Gesundheit ein. Die zweifache Mutter, die im April 2024 erneut Nachwuchs bekam, gilt inzwischen als Expertin für mentale Stärke.

Ihr ehemaliger Trainer Norbert Warnatzsch bezeichnete sie einst als „Vollblutschwimmerin“. Für Britta ist klar: Nicht nur der Körper entscheidet über Leistung, sondern vor allem der Kopf. Inzwischen beobachtet sie, dass viele Sportler offener mit Sportpsychologie umgehen und entsprechende Angebote nutzen. Neben ihrer Arbeit hält sie regelmäßig Vorträge über mentale Stärke und Nachhaltigkeit.

Heute blickt sie anders auf ihre Karriere. Gold war ein Traum – aber der Weg danach war mindestens genauso prägend.