Zwölf WM-Titel, zwei olympische Goldmedaillen und eine Karriere, die den Biathlonsport in Deutschland nachhaltig verändert hat – Magdalena Neuner schrieb Sportgeschichte. Heute, mehr als ein Jahrzehnt nach ihrem überraschenden Rücktritt, lebt sie ein Leben, das mit Medaillenjubel kaum noch etwas zu tun hat. Am heutigen Montag, dem 9. Februar, wird die Ausnahmeathletin 39 Jahre alt.
Der Einschnitt kam früh. 2012, auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs, zog Neuner einen Schlussstrich – mit gerade einmal 25 Jahren. Für viele unverständlich, für sie selbst eine bewusste Entscheidung. Sie wollte all das erleben, was im durchgetakteten Leben einer Spitzensportlerin keinen Platz hatte. Zeit, Freiheit, Normalität. Rückblickend war es genau der Weg, der sie zu dem Leben geführt hat, das sie heute führt.

Ihr privates Glück begann dort, wo ihre Geschichte eigentlich ihren Anfang nahm: in der Kindheit. 2014 heiratete sie ihren Jugendfreund Josef Holzer, einen Zimmerermeister aus ihrer Heimat. Gefeiert wurde in Wallgau, mitten in Oberbayern. Die beiden kannten sich schon aus Sandkastenzeiten, lange bevor Biathlon überhaupt eine Rolle spielte. Eine Liebe ohne Blitzlichtgewitter, gewachsen über Jahre.
Heute ist die Familie zu fünft. Tochter Verena Anna kam 2014 zur Welt, Sohn Josef folgte zwei Jahre später, 2021 komplettierte Nesthäkchen Ludwig das Familienglück. Doch der Weg dorthin war nicht frei von Herausforderungen. Nach der Geburt ihres Sohnes wurde Neuner schwer krank, kämpfte mit Pfeifferschem Drüsenfieber, Infekten und einer Schilddrüsenüberfunktion. Sie verlor stark an Gewicht, zusätzlich belastete sie über längere Zeit ein Stalker. Eine Phase, die sie viel Kraft kostete.

Inzwischen liegt all das hinter ihr. Die ehemalige Biathlon-Rekordhalterin hat sich einen Traum erfüllt, den sie lange vor sich hergetragen hat. Gemeinsam mit ihrer Familie lebt sie heute in einem großen, selbstgebauten Haus mit Garten in Wallgau. Abgeschieden, ruhig, fernab vom Medienrummel. Ein bewusst einfaches Leben, wie sie selbst sagt. Unterstützung bekommt sie dabei aus der Familie – beide Großmütter wohnten anfangs nur wenige hundert Meter entfernt und halfen bei der Kinderbetreuung.
Ganz losgelassen hat sie den Sport dennoch nicht. Gelegentlich steht Magdalena Neuner für die ARD als Biathlon-Expertin vor der Kamera und bringt ihre Erfahrung ein. Außerdem hat sie sich zur Stress- und Ausdauertrainerin ausbilden lassen. Kein Leistungsdruck mehr, kein Medaillenzwang – sondern Wissen weitergeben, wenn es passt.
Auf ihrer eigenen Website bringt sie ihr heutiges Lebensgefühl auf den Punkt: Sie könne sich nichts Schöneres vorstellen. Ein Satz, der zeigt, dass ihr größter Sieg nicht mehr im Zielraum gefeiert wird, sondern zu Hause.