Was für ein Finale. Was für ein Moment. Johannes Lochner verlässt die Bobbahn als Olympiasieger – und das gleich doppelt. Am letzten Wettkampftag der Winterspiele in Cortina d’Ampezzo setzt der 35-Jährige aus Berchtesgaden noch einmal ein Ausrufezeichen und führt das deutsche Viererbob-Team zu einem spektakulären Doppelerfolg.
Gemeinsam mit Thorsten Margis, Jörn Wenzel und Georg Fleischhauer rast Lochner zu Gold. 0,57 Sekunden trennten ihn am Ende von seinem Dauerrivalen Francesco Friedrich aus Pirna. Zwei Giganten dieses Sports, die sich seit Jahren nichts schenken – und sich im Ziel mit einer herzlichen Umarmung begegnen. Konkurrenz auf der Bahn, Respekt im Zielraum.

Für Lochner selbst fühlt sich dieser Triumph beinahe unwirklich an. Seit zwei Jahren habe er dieses Szenario im Kopf durchgespielt, erzählt er. Dass es nun tatsächlich so gekommen ist, könne er kaum fassen. Es sei ein Moment für die Ewigkeit, sagt er – der perfekte Abschluss einer langen Reise. Nach 15 Jahren im Spitzensport zieht er nun einen goldenen Schlussstrich unter seine Karriere.
Der Weg dorthin war alles andere als selbstverständlich. 16-mal musste sich der Bayer bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie bei Olympischen Spielen mit Silber zufriedengeben. Nun endet alles mit einem Doppelsieg in Zweier- und Viererbob. Ein Kunststück, das in 94 Jahren Bobgeschichte weltweit erst sieben Piloten gelungen ist. Neben Lochner stehen Namen wie Andreas Ostler, Eugenio Monti, Meinhard Nehmer, Wolfgang Hoppe, André Lange und Francesco Friedrich in dieser besonderen Liste. Bundestrainer Spies ordnete den Erfolg klar ein: Damit habe sich Lochner endgültig unter die ganz Großen eingereiht.

Der Triumph hat auch für seinen Anschieber Thorsten Margis historische Bedeutung. Mit nun fünf olympischen Goldmedaillen ist Margis der erfolgreichste Bobfahrer der Olympia-Geschichte. Vier Titel holte er zuvor an der Seite von Friedrich, jetzt kommt einer mit Lochner hinzu – und damit übertrifft er sogar seinen früheren Piloten. Friedrich selbst steht nach zwei Silbermedaillen und vier Goldenen nun auf einer Stufe mit dem früheren Anschieber Kevin Kuske.
Dabei war Margis vor zwei Jahren eigentlich schon zurückgetreten. Doch er kehrte zurück – gemeinsam mit Lochner. Ein Comeback, das nicht überall für Begeisterung sorgte, vor allem nicht bei seinem langjährigen Partner Friedrich. Dessen Zukunft ist weiterhin offen. In Pirna soll bald im Familienkreis beraten werden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur plant er jedoch, mindestens noch bis zur Weltmeisterschaft im Februar in Lillehammer weiterzumachen.

Lochner hingegen genießt den Augenblick. Nach seinem Sieg im kleinen Schlitten hatte er sich noch darüber geärgert, dass der Zeitplan keine große Feier zuließ. Das soll nun nachgeholt werden – mit rund 50 Freunden. „Im Deutschen Haus brennt die Hütte“, kündigte er an. So viele Menschen vor Ort habe es bei den Spielen in Korea und China nicht gegeben. Diesmal war alles greifbar nah.
Nur eine fehlte bei der Triumphfahrt: seine Frau Hannah. Sie blieb mit Sohn Jonas zu Hause und konnte den Goldlauf nicht live an der Bahn verfolgen. Der Jubel war trotzdem riesig. Und vielleicht macht genau das diesen Abschied noch ein Stück besonderer – weil er sportlich nicht größer hätte ausfallen können.