Wolke Hegenbarth über Muttersein, Fake-News und ihr Leben zwischen Deutschland und Indien

Als wir Wolke Hegenbarth treffen, wirkt es fast so, als stünde sie gerade zwischen zwei völlig unterschiedlichen Welten. In ihrem Zuhause hängen noch die dicken Winterjacken vom Skiurlaub in Leogang im Schrank. Die Schauspielerin schwärmt von den Tagen in den Bergen. Für sie und ihre Familie sei das Hotel „Mama Thresl“ inzwischen wie ein zweites Zuhause. Berge, Skifahren und Yoga – dort könne sie in kürzester Zeit neue Energie tanken.

Gleichzeitig bereitet sie sich auf eine ganz andere Reise vor. Neben dem Schrank steht bereits ein Koffer, daneben eine Kiste voller Saris. Diese hatte sie vor neun Jahren bei einer Hochzeit in Indien getragen. Nun packt sie die farbenprächtigen Gewänder wieder ein, denn schon am nächsten Tag fliegt sie mit ihrer Familie nach Neu-Delhi. Dort wird die Cousine ihres Mannes heiraten. Vier Tage soll das Fest dauern, mehr als 400 Gäste werden erwartet. Für Wolke steht fest: Indische Hochzeiten sind ein Erlebnis, das man kaum vergleichen kann.

Ihre Verbindung zu Indien begann allerdings schon lange vor ihrer Beziehung. Bereits 2011 war sie für Dreharbeiten mit Henning Baum in Mumbai. Sie erinnert sich noch heute daran, wie chaotisch diese Zeit war. Alles, was schiefgehen konnte, ging auch schief. Sieben Wochen verbrachte das Team damals im selben Hotel und tauchte komplett in den Alltag des Landes ein. Diese intensive Erfahrung hat sie nachhaltig geprägt. Seitdem fasziniert sie die Kultur, die Menschen und ihre Art, Probleme zu lösen.

Dass ihr Ehemann Oliver halb indische Wurzeln hat, wirkt für viele wie ein glücklicher Zufall. Freunde der Schauspielerin sprechen sogar von Schicksal. Besonders freut sich Wolke jetzt darauf, dass ihr Sohn Avi zum ersten Mal seine Verwandten in Indien kennenlernen wird. Für den Jungen ist es die erste Reise dorthin, und er wird zum ersten Mal seine Onkel, Tanten und Cousins treffen.

Während sie sich auf die Hochzeit freut, spielt die Planung ihrer eigenen indischen Feier aktuell noch keine große Rolle. Wolke möchte das Fest zunächst einfach als Gast erleben und sich inspirieren lassen. Im Moment steht für sie ohnehin ihre Arbeit wieder stärker im Mittelpunkt. Sie hat den Wunsch, künftig wieder mehr Filme zu drehen und häufiger in Serien zu spielen.

Vor Kurzem sorgte allerdings ein anderes Thema für Aufmerksamkeit. Im Internet verbreiteten sich plötzlich Meldungen, sie wolle ihre Karriere beenden. Zunächst nahm sie die Gerüchte nicht ernst und musste sogar darüber lachen. Doch als immer mehr Menschen diese Behauptung übernahmen und selbst ihre Instagram-Follower besorgt nachfragten, sah sie sich gezwungen zu reagieren. Auf LinkedIn stellte sie klar, dass sie so etwas nie gesagt habe. Für sie sei es völlig unverständlich, warum jemand behaupten sollte, sie wolle mit Anfang 40 aufhören zu arbeiten.

Tatsächlich war sie in den vergangenen Jahren sehr aktiv – allerdings nicht immer vor der Kamera. Neben ihrer Schauspielkarriere engagierte sie sich auch als Unternehmerin und Coach. Dennoch betont sie, dass das Drehen von Serien für sie nach wie vor das Schönste an ihrem Beruf ist.

Der Grund, warum sie zuletzt seltener auf dem Bildschirm zu sehen war, hat einen ganz persönlichen Hintergrund. Ihre Elternzeit dauerte deutlich länger als ursprünglich geplant. Wolke hatte das Gefühl, ihr Sohn brauche sie noch intensiver. Besonders im ersten Jahr, als Schlaf für sie kaum ein Thema war, wollte sie ganz für ihn da sein.

Auch danach blieb die Nähe zwischen Mutter und Kind sehr stark. Wolke beschreibt Avi liebevoll als kleinen Koala, der am liebsten ständig bei ihr wäre. Selbst heute würde er sich noch gerne in ihre Trage setzen. Deshalb musste sie Prioritäten setzen, denn lange Dreharbeiten für Serien hätten bedeutet, wochenlang von zu Hause weg zu sein. Diese Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen. Dennoch teilen sie und ihr Mann Oliver die Betreuung ihres Sohnes bewusst zu gleichen Teilen.

Ihre Entscheidungen als Mutter blieben allerdings nicht ohne Kritik. Immer wieder wurde sie im Internet mit sogenannten Mom-Shaming-Kommentaren konfrontiert. Für Wolke zeigt das vor allem eines: Mütter können es ohnehin nie allen recht machen. Bleibt man länger zu Hause, gilt es manchen als falsch. Kehrt man früher zurück in den Beruf, ist es ebenfalls nicht richtig.

Aus diesem Grund versucht sie sehr vorsichtig zu formulieren, wenn sie über ihre Erfahrungen spricht. Sie betont stets, dass ihre Entscheidungen nur für sie selbst und ihr Kind gelten.

Jetzt möchte sie jedoch wieder sichtbarer werden – nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Vorbild. Für Wolke steht fest, dass Frauen jenseits der 40 keineswegs unsichtbar werden. Im Gegenteil: Sie seien erfahrener, klüger und oft besser ausgebildet als je zuvor. Für sie ist es daher nur logisch, dass auch im Fernsehen mehr Frauen dieser Generation präsent sein sollten.