Ein großer Abend für die deutsche Musikszene – und trotzdem bleibt ein seltsamer Beigeschmack. In Berlin wurde zum dritten Mal der Polyton Music Prize vergeben, doch während einige gefeiert wurden, blieben andere einfach fern.
Im Mittelpunkt stand Giovanni Zarrella, der sich in der Kategorie Schlager durchsetzen konnte. Für den 48-Jährigen ist es ein weiterer Erfolg in einem Jahr, in dem er ohnehin viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Bühne gehörte ihm – zumindest bei den Anwesenden.

Neben ihm wurden zahlreiche weitere Künstler ausgezeichnet. SSIO gewann im Bereich Rap, Turbostaat im Punk, während „Rage Girl Remix“ in der Pop-Kategorie überzeugte. Auch CATT, Ellen Allien, Kadavar, Jonny Mahoro und Domiziana wurden für ihre Arbeit geehrt und in unterschiedlichen Genres ausgezeichnet.
Der Polyton-Preis verfolgt dabei einen anderen Ansatz als viele bekannte Musikpreise. Hier geht es nicht um Verkaufszahlen oder Charts, sondern um die Bewertung durch ein Netzwerk aus Musikerinnen und Musikern. Kunst, Austausch und gesellschaftliche Bedeutung stehen im Mittelpunkt. Die Initiatoren betonen, dass Musik nicht nur gehört, sondern auch als Ausdruck und Diskussionsraum verstanden werden soll.

Gegründet wurde der Preis erst 2023, unter anderem mit Unterstützung von bekannten Namen wie Herbert Grönemeyer, Shirin David und Roland Kaiser. Ein Preisgeld gibt es nicht – stattdessen steht die Anerkennung innerhalb der Szene im Vordergrund. Auch politisch wird das Projekt begleitet, unter anderem durch Unterstützung aus dem Kulturbereich.
Der Polyton gilt für viele als eine Art Nachfolger des Echo, der 2018 nach einem großen Skandal eingestellt wurde. Damals hatte die Auszeichnung zweier Rapper für heftige Kritik gesorgt, was schließlich zum Ende des Preises führte.

Doch bei aller Bedeutung des Abends fiel ein Detail besonders auf: Viele Gewinner waren gar nicht vor Ort. Während der Veranstaltung wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass mehrere Preisträger fehlten. Weder SSIO noch Turbostaat erschienen, auch andere Namen blieben fern. Selbst bei der Verkündung einer Kategorie wurde offen erwähnt, dass noch mehrere Gewinner nicht anwesend seien.
So bleibt neben den Auszeichnungen auch eine offene Frage im Raum: Warum fehlten so viele? Klar ist nur, dass der Abend trotz prominenter Gewinner nicht ganz vollständig wirkte.