Als bekannt wurde, dass Sängerin Jeanette Biedermann ihr erstes Kind erwartet, sorgte das für viele überraschte Reaktionen. Die 46-Jährige erfüllt sich damit einen großen Wunsch – und zeigt, dass eine Schwangerschaft auch in einem späteren Lebensabschnitt möglich sein kann. Doch wie realistisch ist es eigentlich, nach dem 40. Geburtstag noch Mutter zu werden?
In vielen westlichen Industrieländern verschiebt sich der Zeitpunkt für Familienplanung immer weiter nach hinten. Karriere, persönliche Entwicklung oder einfach die Suche nach dem richtigen Moment führen dazu, dass sich viele Frauen erst später mit dem Thema Kinder beschäftigen.
Ein entscheidender Faktor dabei sind die biologischen Voraussetzungen. Die Eizellen einer Frau entstehen bereits während der Entwicklung im Mutterleib, etwa im dritten Monat der Schwangerschaft. Neue Eizellen werden danach nicht mehr gebildet. Das bedeutet, dass jede Eizelle, die später beim Eisprung freigesetzt wird, genauso alt ist wie die Frau selbst.
Wenn Mädchen im Alter von etwa 13 bis 16 Jahren ihre ersten Eisprünge haben, sind nur noch rund zehn Prozent der ursprünglich vorhandenen Eizellen vorhanden. Das entspricht ungefähr 500.000 bis 600.000 Eizellen. Mit jedem Zyklus nimmt diese Zahl weiter ab.
Bei jungen Frauen können pro Zyklus etwa 1.500 Eizellen aktiviert werden, während es bei älteren Frauen meist deutlich weniger sind. Am Ende kommt es jedoch normalerweise nur bei einer einzigen Eizelle tatsächlich zum Eisprung. Über die Jahre führt dieser Prozess dazu, dass die Reserve immer kleiner wird und schließlich die Menopause einsetzt.
Mit zunehmendem Alter verändern sich außerdem die genetischen Eigenschaften der Eizellen. Mit etwa 40 Jahren weisen rund 50 Prozent genetische Veränderungen auf, mit 45 Jahren sind es bereits etwa 90 Prozent. Zusätzlich nimmt auch die Stoffwechselaktivität der Eizellen ab, was die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft weiter reduziert.
Trotzdem ist eine Schwangerschaft über 40 nicht ausgeschlossen. Wichtig ist vor allem, dass weiterhin regelmäßige Eisprünge stattfinden. Außerdem sollte die sogenannte Eierstockreserve noch vorhanden sein. Ein Hinweis darauf kann der Wert des Anti-Müller-Hormons sein.
Selbst in der Phase vor der eigentlichen Menopause, wenn der Zyklus bereits unregelmäßiger wird und bestimmte Hormonwerte steigen, können noch Schwangerschaften entstehen. Allerdings kommt es mit zunehmendem Alter seltener zu erfolgreichen Schwangerschaften, während Fehlgeburten häufiger auftreten.
Neben den hormonellen Voraussetzungen spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Eine weitgehend gesunde Gebärmutter, durchlässige Eileiter, eine gute bakterielle Umgebung im Körper sowie ein fruchtbarer Partner können entscheidend sein. Wenn diese Bedingungen nicht gegeben sind, kommen medizinische Maßnahmen wie Operationen oder künstliche Befruchtung infrage.

Interessanterweise haben Frauen, die bereits ein oder mehrere Kinder bekommen haben, oft bessere Chancen auf eine weitere Schwangerschaft. Jede Schwangerschaft hinterlässt im Körper eine Art immunologisches Gedächtnis, das zukünftige Schwangerschaften begünstigen kann. Gleichzeitig scheint der Alterungsprozess der Eizellen bei Frauen mit früheren Geburten teilweise langsamer zu verlaufen.
Ein weiterer Trend ist das sogenannte Social Freezing. Dabei lassen Frauen in jüngeren Jahren Eizellen einfrieren, um sie später verwenden zu können. Auch bekannte Persönlichkeiten haben sich bereits für diesen Schritt entschieden.
In Deutschland gibt es zudem die Möglichkeit einer Embryonenspende. In diesem Fall besteht allerdings keine genetische Verbindung zwischen Spender und Kind. Eizellspenden sind hingegen hierzulande weiterhin gesetzlich verboten, während sie in vielen anderen europäischen Ländern erlaubt sind. Auch Leihmutterschaft ist in Deutschland nicht zulässig.

Rein experimentelle Methoden werden ebenfalls erforscht. Dazu gehören etwa Verfahren, bei denen Zellkerne in jüngere Eizellen übertragen werden oder bestimmte Zellbestandteile aus jungen Eizellen genutzt werden, um ältere zu unterstützen. Diese Ansätze befinden sich jedoch noch in der wissenschaftlichen Erprobung.
Mit eigenen Eizellen sind Schwangerschaften statistisch bis etwa zum Alter von 46 bis 48 Jahren möglich, auch wenn sie dann sehr selten werden – besonders bei Frauen, die zum ersten Mal Mutter werden. Genau deshalb sorgt Jeanette Biedermanns Schwangerschaft mit 46 für so viel Aufmerksamkeit.
Mit gespendeten Eizellen oder Embryonen können Schwangerschaften sogar noch deutlich später stattfinden. Ein besonders bekanntes Beispiel ist eine Frau aus Berlin, die mit 65 Jahren Vierlinge zur Welt brachte.