„Ich habe mehr Angst vor der Premiere als vor einer Niederlage“: Michaela May spricht ungewöhnlich offen.

Michaela May zeigt sich so offen wie lange nicht mehr. Im Gespräch spricht die 73-Jährige nicht nur über ihre Ehe mit Regisseur Bernd Schadewald, sondern auch über Einsamkeit, Vergänglichkeit – und über eine Angst, die viele überraschen dürfte.

Derzeit steht sie mit dem Stück „Der Abschiedsbrief“ auf der Bühne. Regie führt ausgerechnet ihr eigener Ehemann. Eine Konstellation, die Nähe und Reibung zugleich bedeutet. „Unsere Zusammenarbeit ist eine Art Katharsis für unsere Ehe. Sie wirkt reinigend“, sagt die Schauspielerin. Wenn sie gemeinsam arbeiten, komme vieles auf den Tisch, was sonst vielleicht unausgesprochen bliebe. Das Stück greife Themen auf, die sie beide betreffen – Abschied, Verletzlichkeit, Stolz. Und beides, räumt sie ein, bringe starke Persönlichkeiten mit. „Bernd gibt ungern nach, fast stur. Und ich bin genauso. Wir sind beide Alpha-Typen.“ Gerade deshalb sei es wichtig, sich immer wieder neu zu begegnen – auch auf künstlerischer Ebene.

Trotz all der gemeinsamen Jahre gibt es ein Thema, das Michaela May besonders bewegt: die Vorstellung, irgendwann allein zu sein. „Ich war in meinem Leben nie allein. Nie ohne Partner. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das wäre“, sagt sie ehrlich. Zwar kenne sie als Schauspielerin das Gefühl, unterwegs oder während Dreharbeiten auf sich gestellt zu sein. Doch eine dauerhafte Einsamkeit, nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Seite ihres Mannes, würde sie tief treffen. Dieser Gedanke mache sie verletzlich.

Bernd Schadewald gehe anders mit solchen Fragen um. Über den Tod spreche er nicht gern, blocke das Thema eher ab. Michaela May hingegen blickt erstaunlich gelassen darauf. Für sie sei das Leben endlich – und gerade deshalb wertvoll. „Ich habe mehr Angst vor einer Premiere als vor dem Tod“, sagt sie mit einem leichten Lächeln. Der Moment, wenn sich der Vorhang hebt, wenn das Publikum erwartet, berührt und überzeugt werden will – das sei für sie die wahre Bewährungsprobe.

Diese Haltung zeigt, wie sehr sie noch immer für ihren Beruf brennt. Lampenfieber gehört für sie dazu, genauso wie die tiefe Liebe zur Bühne. Dort fühlt sie sich lebendig, präsent, gebraucht. Theater ist für sie nicht nur Arbeit, sondern Lebenselixier.

Ihre Worte zeichnen das Bild einer Frau, die mit 73 nichts beschönigt. Sie spricht über Stärke und Zweifel, über Liebe und Angst – und darüber, wie sehr das gemeinsame Arbeiten ihre Ehe trägt. Leben, Liebe und Bühne sind für Michaela May untrennbar miteinander verbunden.