Drei Olympiasiege. 16 WM-Titel. Und bis heute ein Name, der im Eisschnelllauf Gewicht hat. Anni Friesinger-Postma gehört zu den ganz Großen ihres Sports. Fast 16 Jahre nach dem Ende ihrer aktiven Karriere blickt die 49-Jährige zurück – und verrät erstaunlich offen, wie sie sich damals durchsetzte.
Schon mit 16 startete sie im Weltcup. Schule und Leistungssport gleichzeitig zu stemmen, bedeutete früh Verantwortung zu übernehmen. Entscheidungen treffen, die weitreichend waren. „No pain, no gain“ – dieses Motto beschreibt für sie bis heute, was nötig ist, um an die Spitze zu kommen. Gerade im Eisschnelllauf müsse man im Training immer wieder an die eigenen körperlichen Grenzen gehen – und darüber hinaus.
Dass die Sportart lange als männerdominiert galt, störte sie aus Athletinnen-Sicht kaum. Im Gegenteil. Sie habe die Situation für sich genutzt. „Ich habe die Männer im Training oft ‚benutzt‘“, sagt sie heute rückblickend. Für sie seien sie der Schlüssel gewesen, um noch schneller und stärker zu werden. Im Training gegen bessere und schnellere Athleten anzutreten, habe sie weitergebracht. Konkurrenz als Antrieb – nicht als Hindernis.
Heute ist Eis immer noch fester Bestandteil ihres Lebens. Ihre Töchter Josephine, 14, und Elisabeth, 11, stehen ebenfalls auf dem Eis – allerdings im Eishockey. Beide wurden bereits für die Nationalmannschaft nominiert. Für Anni ist das jedoch nicht der wichtigste Punkt. Entscheidend sei, dass sie Freude an dem haben, was sie tun. Dass sie Verantwortung übernehmen und ehrgeizig sind, beobachtet sie trotzdem mit Stolz.
Nach ihrer Karriere tauschte sie Medaillen gegen Mutterrolle. Josephine wurde im August 2011 geboren, drei Jahre später folgte Elisabeth. Vater der beiden ist der ehemalige niederländische Eisschnellläufer Ids Postma, den Anni 2009 heiratete und dessen Namen sie trägt. Er lebt in den Niederlanden, während sie mit den Töchtern überwiegend in Salzburg zu Hause ist.

Neben dem Familienalltag arbeitet Anni als TV-Expertin für Eurosport, ist Unternehmerin, Speakerin und Markenbotschafterin. Wenn sie heute von den Olympischen Spielen berichtet, tauchen Erinnerungen auf. Manche werden von außen immer wieder angesprochen – wie ihr spektakulärer Spagatsprung-Zieleinlauf in Vancouver 2010. Andere Momente sind für sie persönlicher. Etwa ihr erster Olympiasieg 2002 in Salt Lake City über ihre Lieblingsdistanz, die 1.500 Meter.
Zurück aufs Eis im Wettkampf? Für sie keine Option. Sie sei zufrieden mit dem, was war, und genieße es nun, zuzusehen und zu kommentieren.
Auch privat funktioniert ihr Modell. Trotz räumlicher Distanz verbindet sie mit Ids eine enge Beziehung. Vertrauen sei die Basis, sagen sie. Dieses „Living apart together“ kennen sie von Anfang an. Statt nebeneinander her zu leben, setzten sie bewusst auf gemeinsame Qualitätszeit. In Salzburg entsteht derzeit sogar ein neues Haus – nur zwei Minuten von der Eishalle entfernt.