Sally Özcan hat nach außen lange funktioniert. Sie lächelte, drehte Videos, stand vor der Kamera und führte ihr Unternehmen weiter. Doch hinter diesem Bild sah es ganz anders aus. Nach 16 Jahren Ehe trennte sich die Unternehmerin 2023 von ihrem Ex-Mann Murat. Jetzt erzählt die 37-Jährige, wie schwer diese Zeit wirklich für sie war.
Für viele Fans kam die Trennung damals überraschend. Sally und Murat galten lange als eingespieltes Paar, nicht nur privat, sondern auch beruflich. Gemeinsam waren sie immer wieder in Verbindung mit „Sallys Welt“ zu sehen, einem der erfolgreichsten YouTube-Kanäle Deutschlands mit inzwischen 2,2 Millionen Followern.
Sally hatte Murat mit 19 Jahren geheiratet. Später wurde er auch Teil ihres Unternehmens und arbeitete zunächst hinter den Kulissen, unter anderem in der Logistik und im Lager. Nach außen wirkte vieles stabil. Doch laut Sally war die Ehe schon länger belastet.
Die Mutter von zwei Töchtern versuchte, die Situation lange auszuhalten. Vor allem wegen der Familie wollte sie kämpfen. Sie wollte nicht vorschnell aufgeben und versuchte, die Fassade zu wahren. Doch innerlich zahlte sie dafür einen hohen Preis.
Besonders deutlich wird das, wenn Sally über ihre Zeit vor der Kamera spricht. Während sie in Videos freundlich und stark wirkte, sah es abseits davon ganz anders aus. „Ich war hinter den Kulissen am Zerbrechen“, sagt sie offen. Über Jahre sei sie weinend ins Studio gegangen und habe sich auf dem Weg dorthin die Tränen weggewischt.
Ihr Team bekam mit, wie schlecht es ihr ging. Sally erklärt, dass die Menschen um sie herum vieles wussten, weil sie nah an ihr dran waren. Trotzdem machte sie weiter. Die Kamera wurde für sie zu einem Ort, an dem sie kurz funktionieren konnte. „Wenn ich nicht ‚Sallys Welt‘ gehabt hätte, wäre ich zusammengebrochen“, sagt die 37-Jährige.

„Sallys Welt“ gründete sie im April 2012. Aus dem YouTube-Kanal, der damals noch „Sallys Cake World“ hieß und während ihres Lehramtsstudiums entstand, entwickelte sich mit der Zeit ein großes Unternehmen. Doch genau dieses Unternehmen wurde auch Teil der Krise.
Sally erzählt, dass ihr damaliger Mann im Laufe der Jahre immer präsenter geworden sei. Sie habe zugelassen, dass jemand an ihrer Seite lauter wurde und sich stärker als Unternehmer zeigte. Gleichzeitig sei sie selbst diejenige gewesen, die Entscheidungen traf, Verantwortung trug und Verpflichtungen hatte.
Rückblickend sieht sie vieles klarer. Sie sagt, sie hätte früher deutlicher Grenzen setzen müssen. Zu oft habe sie sich Dinge einreden lassen. Irgendwann sei bei ihr der Punkt gekommen, an dem sie spürte: Wenn sie diese Beziehung nicht beendet, wird sie krank.
Doch der Schritt in ein neues Leben war alles andere als leicht. Sally war Mitte 30, Mutter von zwei Kindern und trug als Unternehmerin enorme Verantwortung. Dazu kam eine starke finanzielle Belastung. Sie spricht von einer „krassen finanziellen Abhängigkeit“ und davon, dass nach der Trennung hohe Schulden auf sie zukamen.

Auch emotional traf sie die Situation hart. In einer Therapiesitzung brach sie in Tränen aus. Ihr Therapeut sagte ihr, sie sei stark und könne das schaffen. Doch Sally fühlte sich in diesem Moment ganz anders. „Ich glaube, ich werde jetzt für immer alleine bleiben“, dachte sie damals.
Sie fragte sich, wer sie in dieser Lebenslage überhaupt noch annehmen würde: mit zwei Kindern, mit finanzieller Last und mit einem Alltag, der stark eingeschränkt war. Diese Angst saß tief. Doch mit der Zeit kam eine andere Erkenntnis.
Sally begriff, dass ein Leben mit ihren Töchtern und ihrer Arbeit besser war als eine Beziehung, in der sie sich nicht frei fühlen konnte. Sie wollte nicht länger in einer Verbindung bleiben, in der man sich klein fühlt, in der man Anweisungen bekommt oder nicht mehr man selbst sein darf.
Inzwischen sieht ihr Leben wieder anders aus. Vor einigen Monaten machte Sally öffentlich, dass sie wieder fest vergeben ist. Heute spricht sie offen über ihre neue Liebe und wirkt dabei glücklich. Nach einer schweren Trennung, vielen Tränen und großen Zweifeln scheint sie wieder bei sich angekommen zu sein.