Nick Romeo Reimann, heute 28 Jahre alt, erinnert sich in der ARD-Dokumentation Kinderdarsteller – Der Preis des Erfolgs an seine Zeit als Kinderschauspieler bei der Filmreihe Die wilden Kerle. Für ihn war die Erfahrung auf der Leinwand ein zweischneidiges Schwert. Zwar liebte er die Arbeit mit erwachsenen Kollegen, doch die Schattenseiten des frühen Ruhms ließen sich nicht leugnen. Auch sein damaliger Co-Star Jimi Blue Ochsenknecht (34) äußert sich in der Dokumentation zu den Vorkommnissen.
Reimanns Begeisterung für die Wilden Kerle begann auf einer Kindergeburtstagsparty, als er den ersten Film sah. „Es war wie Magie“, erinnert er sich. 2006, im Alter von acht Jahren, stieg er in die Filmreihe ein und spielte ab der dritten Folge die Rolle des „Nerv“. Die Dreharbeiten und das Leben abseits der Kameras beschrieb er als aufregend: „Überall, wo wir hinkamen, wurden wir gehuldigt.“
Doch innerlich fühlte sich Reimann nie wirklich als Teil der Gruppe. „Ich gehörte nicht wirklich dazu“, sagt er rückblickend. Er erinnert sich an die „unglaubliche Kälte“ und das „eher abschätzige Verhalten“ seiner jungen Kollegen. Besonders verletzend war, dass dieselben Kinder vor der Kamera plötzlich freundlich wirkten: „Für ein Kind war das fast sadistisch.“ Auf Pressetouren durfte er kaum sprechen und wurde mit Beleidigungen konfrontiert. „Ich kann nicht verstehen, warum sie so hasserfüllt reagierten.“
Jimi Blue Ochsenknecht, selbst Star der Reihe, reagiert auf die Vorwürfe: „Ich distanziere mich vollständig davon“, betont er. Er unterstreicht, dass Mobbing niemals passieren sollte, blickt aber gleichzeitig kritisch auf sein eigenes Verhalten zurück: „Ich dachte, ich sei extrem cool.“ Früher Ruhm sei „immer ungesund“, räumt er ein, und zeigt Verständnis für Reimanns Sichtweise: „Es tut mir definitiv leid, und erst jetzt kann ich nachvollziehen, wie es für ihn gewesen sein muss.“ Er gesteht außerdem: „Ich habe Dinge gesagt, die nicht hätten fallen dürfen.“
Für Reimann waren die Erfahrungen bei den Wilden Kerlen „Segen und Fluch zugleich“. Sie prägten sein Leben nachhaltig. Heute ist er als Schauspieler aktiv, unter anderem am Wiener Volkstheater, und kehrt nach einer längeren Pause 2026 auf die große Leinwand zurück. Trotz der Herausforderungen blickt er zuversichtlich nach vorne: „Ab heute bin ich sehr selbstbewusst, aber nicht naiv.“

Auch Constantin von Jascheroff (39) reflektiert seine Kindheitsrolle in der Dokumentation. Er erzählt, wie er während der Dreharbeiten oft auf soziale Erlebnisse verzichtete: „Weil ich gearbeitet habe, verpasste ich ein Stück meiner Kindheit.“ Dennoch faszinierte ihn die Arbeit am Set: „Als Kind störte es mich nicht, zwölf Stunden am Stück zu drehen.“
Der Schulalltag danach fiel ihm jedoch schwer. „Es war ein Abwärtsstrudel für mich – und die Lehrer bekamen das mit“, berichtet von Jascheroff, der dreimal die Schule wechselte. Ohne die Unterstützung seiner Familie glaubt er, „ich wäre vom Weg abgekommen“. Die frühe Vaterschaft sah er als Wendepunkt: „Meine Söhne haben mich davor bewahrt, falsch abzubiegen.“ Rückblickend zieht er ein positives Fazit: „Für mich ist es erfolgreicher, Jahrzehnte in der Branche zu überleben, als einen großen Hit zu haben und danach nichts zu drehen.“

Luna Jordan (24) blickt ebenfalls kritisch auf ihre Karriere zurück. „Würde ich alles wieder tun? Nein“, sagt sie. Sie bedauert, keine normale Jugend erlebt zu haben: „Ich hätte mir eine gesunde Adoleszenz gewünscht, ohne all die Gedanken, Verwirrungen und Gefühle, die durch das Versagen anderer ausgelöst wurden.“ Jordan berichtet zudem von sexueller Belästigung am Set: „Ich vertraute all den Erwachsenen blind, die mich in so viele gefährliche Situationen brachten.“
Für ihre Rollen opferte Jordan sich komplett: „Ich habe mein Leben rundherum völlig vernachlässigt.“ Ihr Ziel war stets die beste Performance, koste es, was es wolle: „Ich habe mich selbst für das Projekt zerstört.“ Nach einem Dreh lag sie eine halbe Stunde weinend auf dem Boden, ohne zu wissen, was los war. Trotz allem zeigt sie Dankbarkeit für ihre Arbeit: „Ich bin sehr dankbar, dass ich als Schauspielerin arbeiten durfte.“
Die ARD-Dokumentation, jetzt in der ARD-Mediathek verfügbar, beleuchtet eindrücklich die Höhen und Tiefen ehemaliger Kinderdarsteller und wirft einen kritischen Blick auf die Auswirkungen frühen Ruhms.