Sarah Engels löscht umstrittenes Südafrika-Video – und gerät kurz vor dem ESC massiv unter Druck

Für Sarah Engels wird es ausgerechnet kurz vor ihrem großen Auftritt beim Eurovision Song Contest ernst. Ein kurzer Clip aus Südafrika hat eine Welle der Empörung ausgelöst – und bringt die Sängerin nun in eine unangenehme Lage.

Die 33-Jährige, die Deutschland in diesem Jahr beim ESC in Wien vertritt, sieht sich seit Tagen heftiger Kritik im Netz ausgesetzt. Das Video, das sie Anfang April auf Instagram veröffentlicht hatte, ist inzwischen verschwunden. Doch die Diskussion darum ist längst nicht abgeebbt.

Auslöser war eine Szene, die eigentlich harmlos wirken sollte: Engels singt und tanzt gemeinsam mit einer Gruppe von Schulkindern zu ihrem ESC-Song „Fire“. Dazu schrieb sie, Musik brauche keine Sprache, sie verbinde Menschen. Außerdem erklärte sie, die Kinder seien „so dankbar für etwas, das für mich völlig normal ist“. Genau dieser Satz sorgte für massive Reaktionen – viele empfanden ihn als herablassend.

Was als emotionaler Moment gedacht war, entwickelte sich schnell zu einer grundsätzlichen Debatte. Es ging plötzlich nicht mehr nur um ein Video, sondern um Inszenierung, um Machtverhältnisse – und um den Umgang mit Kindern in sozialen Medien.

Bei einem ESC-Event in Amsterdam stellte sich Engels erstmals persönlich den Fragen. Sie wirkte bemüht, die Situation einzuordnen, und erklärte, viele hätten den Hintergrund ihres Aufenthalts missverstanden. Die Reise nach Südafrika sei im Rahmen ihrer Stiftung „Starke Mädchen“ erfolgt. Vor Ort habe sie Projekte besucht, die bereits seit Jahren bestehen und lokal getragen werden.

Das Video selbst beschreibt sie als spontanen Moment. Sie habe einfach die Begegnung mit den Menschen genossen, nichts sei geplant gewesen. Für sie sei es ein ehrlicher Augenblick gewesen – ohne Hintergedanken.

Doch diese Darstellung überzeugt nicht alle. Besonders laut wird der Vorwurf des sogenannten „White Saviorism“. Kritiker sehen in dem Clip ein bekanntes Muster: Eine weiße Künstlerin im Mittelpunkt, während schwarze Kinder zur emotionalen Kulisse werden – und ihre Realität dabei in den Hintergrund rückt.

Zusätzlich sorgt ein weiterer Punkt für Unverständnis. Während Engels die Gesichter ihrer eigenen Kinder konsequent unkenntlich macht, sind die Kinder aus der Schule im Video deutlich zu erkennen. Für viele ein klarer Widerspruch – und ein Problem, das Fragen zum Thema Kinderschutz aufwirft.

In ihrem Statement geht Engels auf diese inhaltlichen Vorwürfe nur am Rande ein. Dennoch zieht sie Konsequenzen. Sie habe die Kritik ernst genommen und sich entschieden, das Video zu löschen. Damit wollte sie offenbar ein Zeichen setzen – auch wenn die Diskussion dadurch nicht verstummt.

Der Zeitpunkt macht die Situation besonders heikel. Als deutsche ESC-Kandidatin steht Engels aktuell unter genauer Beobachtung. Jeder Auftritt, jedes Posting wird bewertet, kommentiert und hinterfragt. Der Druck ist hoch – und der Spielraum für Fehler klein.